
Fortgeschritten · Kapitel 5 von 6
Shelly-Gehäuse drucken – Praxisguide
Shelly-Gehäuse aus dem 3D-Drucker – Unterputz, Aufputz und DIN-Schiene, mit Brandschutz-Hinweisen für 230 V.
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Das Wichtigste in Kürze
3 Kernaussagen für Schnellleser
Shelly-Relais sind kompakt, aber ohne Gehäuse im Aufputzbetrieb eine Stolperfalle. Fertige Druckvorlagen für Shelly 1, Plus 1PM und Dimmer gibt es auf Printables – meist in Aufputz- und Unterputz-Variante. Dieser Artikel zeigt die besten Vorlagen, optimale Druckeinstellungen und Installationshinweise.
- Printables und Thingiverse haben fertige Shelly-1-, Plus-1PM- und Dimmer-Gehäuse – oft unter 2 € Material.
- PETG statt PLA für Unterputz und warme Räume – Toleranz 0,2 mm einplanen.
- Lüftungsschlitze und Kabelauslässe vor dem Druck prüfen – Nacharbeit spart Zeit.
Shelly-Geräte im Überblick
Bevor du ein Gehäuse suchst oder designst, musst du wissen, welche Shelly-Modelle du hast. Die wichtigsten für 3D-Druck-Gehäuse:
- Shelly 1: 46 × 38 × 19 mm – der Klassiker. Ein Kanal, Relais, Skriptfähig. Braucht Kühlung bei Dauerlast.
- Shelly Plus 1PM: 38 × 36 × 16 mm – kompakter Nachfolger mit Strommessung. Gleiche Einbausituation, anderes Layout.
- Shelly Dimmer 2: 46 × 41 × 21 mm – dicker als der Shelly 1 wegen Dimmer-Elektronik. Braucht mehr Platz in der Dose.
- Shelly 2.5: 54 × 38 × 20 mm – zwei Kanäle, entsprechend breiter. Wird seit 2023 nicht mehr produziert, aber viele sind noch installiert. Für Neukauf: Shelly Plus 2PM als Nachfolger (38 × 36 × 17 mm, 2 Kanäle, Strommessung).
- Shelly Plug S: Steckerform – braucht ein komplett anderes Gehäusekonzept (Aufsteck- statt Einlegegehäuse).
Die Abmessungen unterscheiden sich genug, dass ein Shelly-1-Gehäuse nicht einfach auf einen Shelly Plus 1PM passt. Beim Suchen oder Designen immer das konkrete Modell angeben. Für die Steckdosen-Variante ohne Unterputz-Dose eignet sich der Shelly Plug S(öffnet in neuem Tab) – dafür gibt es eigene Aufputz- und Wandclip-Gehäuse auf Printables.
Unterputz-Gehäuse – in der Wanddose
Die häufigste Installationsart für Shelly-Relais in Deutschland: Die Elektronik wird in eine Standard-Unterputzdose (60 mm Durchmesser) eingebaut, neben oder hinter einem Lichtschalter. Das 3D-gedruckte Gehäuse schützt den Shelly, fixiert ihn in der Dose und hält Kabel geordnet.
- Dosen-Standard: 60 mm Durchmesser, 40–60 mm Tiefe. Das Gehäuse muss in diese Abmessungen passen – kein Spiel für kreative Formen.
- Halterungsclip: Die meisten UP-Gehäuse haben Clips, die sich an der Dosen-Innenwand einklinken – oder sie werden mit der Schraube des Lichtschalters fixiert.
- Kabelmanagement: In der Dose ist wenig Platz. Das Gehäuse muss Kabelkanäle oder -führungen haben, damit nichts gequetscht wird.
- Kombination mit Schalter: Viele UP-Gehäuse sind so entworfen, dass Shelly und Schalter-Rahmen gleichzeitig passen. Suche nach "Shelly 1 Unterputz mit Wippe".
Pro-Tipp
Drucke UP-Gehäuse zuerst ohne Infill als Prüfkörper – nur die Außenwände mit 2 Perimetern. Das dauert 15 Minuten und zeigt dir, ob der Shelly in die Dose passt, bevor du den 2-Stunden-Druck startest.
Aufputz-Gehäuse – sichtbar an der Wand
Nicht überall gibt es eine Unterputzdose – im Keller, in der Garage oder bei Nachrüstungen ohne Renovierung. Aufputz-Gehäuse werden direkt an die Wand geschraubt oder geklebt. Das gibt dir mehr gestalterischen Freiraum, aber das Gehäuse ist sichtbar.
- Kabeldurchführung: Mindestens ein Kabeleingang (meist unten oder hinten) und ggf. einen seitlichen Durchbruch für die Lastkabel.
- Kabelbinder-Ösen: Kleine Ösen am Gehäuseboden erlauben Kabelbinder als Zugentlastung – professionell und einfach.
- Deckel mit Scharnier: Ein aufklappbarer Deckel mit Filament-Scharnier macht Wartung einfach – du musst nicht jedes Mal schrauben.
- IR-Empfänger-Fenster: Shellys mit Infrarot-Sensor (z. B. Shelly Plus 1PM) brauchen ein durchlässiges "Fenster" – dünn gedrucktes PETG (0,8 mm) lässt IR-Strahlung passieren. PETG erreicht bei ~0,8 mm Wandstärke etwa 70 % Durchlässigkeit; PLA nur ca. 40 %.
Wusstest du schon?
Auf Printables gibt es AP-Gehäuse mit integriertem DIN-Schienenclip – du kannst den Shelly dann einfach auf die Hutschiene im Schaltschrank clippen. Das ist installateurfreundlich und sieht professionell aus.
Das Wesentliche in Kürze
DIN-Schienen-Montage (Hutschiene)
Normale Shellys haben keine DIN-Schienen-Befestigung – aber 3D-Druck löst das Problem. Es gibt zwei Ansätze:
- Gehäuse mit integriertem Clip: Das Gehäuse hat einen geclippten Hutschienen-Halter direkt am Boden. Einfach auf die Schiene drücken – fertig.
- Adapterplatte: Eine separate Platte mit DIN-Schienenclip, auf die das AP-Gehäuse geschraubt wird. Flexibler, aber mehr Teile.
DIN-Schienen-Clips sind mechanisch hoch belastet – der Clip muss sicher einrasten und nicht abbrechen. Drucke diese Teile mit 0,15 mm Schichtdicke und 4 Perimetern in PETG – PLA wird durch die Federkraft mit der Zeit spröde und bricht.
Verdrahtung im Gehäuse beachten
Das beste Gehäuse nutzt nichts, wenn die Kabel nicht passen. Schraubklemmen auf dem Shelly-Board sind die Verbindungsstelle – und sie bestimmen, wo Kabeldurchführungen sein müssen.
- Klemmenposition kennen: Schraubklemmen sitzen bei den meisten Shellys auf einer Längsseite – plane die Kabelzuführung entsprechend.
- Kabelquerschnitt einplanen: 1,5 mm² oder 2,5 mm² Festleiter brauchen Platz – berechne den Biegeradius im Gehäuse.
- Trennung: Netzspannung (230 V) und Niederspannung (z. B. Schalter-Eingänge) sollten im Gehäuse getrennt geführt werden – ein Trennsteg oder getrennte Kabelkanäle sind empfehlenswert.
- Wackelkontakte vermeiden: Lose Kabel können Klemmen belasten. Kabelbinder oder Kabelkanäle im Gehäuse fixieren die Leitungen sicher.
Pro-Tipp
Verwende Aderendhülsen (Ferrulen) für alle flexiblen Leiter, die in Shelly-Schraubklemmen eingeführt werden – das ist Vorschrift nach VDE und verhindert, dass feine Litzen aus der Klemme rutschen. Für 1,5 mm² Leiter: Hülsen 1,5-7 (7 mm Pin-Länge); für 2,5 mm² Leiter: Hülsen 2,5-8.
Hitzemanagement und Brandschutz
Shelly-Relais schalten 230 V und können sich bei Dauerlast auf über 60 °C erwärmen. Das Gehäuse muss diese Temperatur aushalten – und der Nutzer muss wissen, was er tut.
- PETG statt PLA: PLA wird ab ca. 55 °C weich – zu nah an der Betriebstemperatur eines Shelly unter Last. PETG hält bis 80–85 °C und ist die sichere Wahl.
- Belüftung: Lüftungsschlitze im Gehäuse erlauben Konvektion. Mindestens 3–4 mm breite Schlitze oben und unten.
- Abstandshalter: Platziere den Shelly nicht direkt an die Gehäusewand – 3–5 mm Luftspalt zur Wand erlauben Luftzirkulation.
- Lastgrenze beachten: Shelly 1 ist für 16 A spezifiziert (16 A × 230 V = 3,68 kW). Für ohmsche Lasten (Heizung, Glühlampen) gilt dieser Wert; für induktive Lasten (Motoren, Kompressoren) ist der sichere Dauerstrom 8–10 A.
UL 94 und Flammschutz – was du wissen musst
Bei Geräten, die mit 230 V arbeiten, ist Brandschutz kein optionales Thema. Standard-Filamente wie PLA und PETG sind nicht flammhemmend – sie brennen, wenn sie entzündet werden. Die UL 94-Norm klassifiziert Kunststoffe nach ihrer Brennbarkeit:
- UL 94 HB: Horizontal brennend – langsames Abbrennen. Standard-PLA und PETG entsprechen etwa dieser Klasse.
- UL 94 V-2: Vertikal brennend, erlischt innerhalb 30 Sekunden – kann Tropfen bilden.
- UL 94 V-0: Vertikal brennend, erlischt innerhalb 10 Sekunden – die höchste gängige Klasse für Elektronikgehäuse.
Spezielle flammhemmende Filamente (FR-PLA, FR-PETG) gibt es u. a. von Extrudr (FR-PETG 1 kg, ca. 35 €) und Polymaker (PolyMax FR, 1 kg, ca. 45 €) – sie erreichen UL 94 V-0. Kostenpunkt: ca. 30–50 Euro pro Spule statt 15–25 Euro für Standard-Filament. Für Unterputz-Installationen wird FR-Filament empfohlen.
Wusstest du schon?
VDE 0100-559 regelt die Auswahl elektrischer Betriebsmittel in Niederspannungsanlagen. Eine explizite UL 94-Klasse für selbst gedruckte Zubehörgehäuse ist dort nicht normiert – professionelle Installateure setzen FR-PETG trotzdem grundsätzlich ein. Es ist die verantwortungsvolle Wahl für 230 V.
Tools für die richtige Entscheidung
Nicht sicher, welches Gehäuse für dein Shelly-Setup passt? Nutze unsere Tools, um die richtige Entscheidung zu treffen:
- Gehäuse-Konfigurator – findet das passende Gehäuse basierend auf deinem Shelly-Modell, Installationsort und Montageart.
- Kostenrechner – berechnet Materialkosten, Druckzeit und Stromkosten für dein Gehäuseprojekt.
Häufig gestellte Fragen
UP- oder AP-Gehäuse – was soll ich wählen?
Ist FR-PETG wirklich nötig, oder reicht normales PETG?
Was ist der Unterschied zwischen Shelly Plus 1PM und Shelly 1?
Wo finde ich fertige DIN-Schienen-Clips für Shelly-Gehäuse?
Macht ein 3D-gedrucktes Gehäuse bei Shelly-Funktastern Sinn?
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