
Einsteiger · Kapitel 8 von 8
Eine Wärmepumpe oder Gastherme heizt effizienter, wenn die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur angepasst wird. So setzt du das mit Shelly und Home Assistant um.
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Das Wichtigste in Kürze
3 Kernaussagen für Schnellleser
Eine witterungsgeführte Heizkurve passt die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur an — keine manuelle Einstellung mehr nötig. Mit Home Assistant, einem Außentemperatur-Sensor und einem Zigbee- oder Shelly-Thermostat ist das in unter einer Stunde eingerichtet. Anwesenheitserkennung als Bedingung verhindert, dass die Heizung läuft, wenn niemand zu Hause ist.
Die Heizkurve passt die Vorlauftemperatur deiner Heizung automatisch an die Außentemperatur an. Je kälter draußen, desto wärmer das Heizwasser. Das spart 5–15 % Heizenergie gegenüber einer fixen Vorlauftemperatur – bei Wärmepumpen sogar noch mehr, weil deren Effizienz (COP) stark von niedrigen Vorlauftemperaturen abhängt. Die Umsetzung mit Shelly und Home Assistant läuft vollständig lokal, ohne Cloud-Dienst.
Die meisten Heizanlagen laufen ab Werk mit einer festen Vorlauftemperatur: Das Wasser, das durch die Heizkörper oder die Fußbodenheizung fließt, hat immer die gleiche Temperatur – egal ob draußen +5 °C oder −10 °C sind. Bei mildem Wetter wird dabei unnötig viel geheizt; bei starker Kälte reicht es manchmal trotzdem nicht.
weather-Integration (nutzt Standort-Wetterdaten, keine eigene Hardware nötig; dabei wird dein ungefährer Standort an den Wetterdienst übermittelt) oder einen physischen Zigbee-Sensor an einem schattigen, wettergeschützten Platz auf der NordseitePro-Tipp
Wenn deine Heizanlage eine eigene Smart-Home-Schnittstelle hat (z. B. Viessmann ViCare, Vaillant sensoNET, Wolf SmartSet), nutze zuerst die offizielle Home-Assistant-Integration statt eines Shelly-Relais. Das ist sauberer und vermeidet Hardware-Eingriffe am Kessel.
Bevor du einen Shelly an deinem Heizkessel anschließt, beachte diese Punkte:
Außentemperatur in HA verfügbar machen: Entweder über die integrierte weather-Integration (keine Hardware) oder einen physischen Zigbee-Sensor an einem schattigen, wettergeschützten Platz auf der Nordseite.
Vorlauftemperatur-Sensor oder Klima-Entität einrichten: Eine „Klima-Entität" ist das Objekt in Home Assistant, das deine Heizungssteuerung repräsentiert – ähnlich wie ein digitales Thermostat in der App. Wenn deine Heizung eine HA-Integration hat, ist diese Entität schon vorhanden. Sonst: Shelly-Temperatursensor am Vorlaufrohr anbringen (Achtung: Installation an der Heizanlage – ggf. Fachkraft hinzuziehen).
Template-Sensor für die Solltemperatur anlegen: In configuration.yaml oder als Helper. Verwende die Formel, die zu deiner Heizungsart passt:
Gastherme / Heizkörper (Vorlauf typisch 35–55 °C):
template:
- sensor:
name: "Heizkurve Solltemperatur"
unit_of_measurement: "°C"
state: >
{% set t_aussen = states('sensor.aussentemperatur') | float(10) %}
{% set t_vorlauf = [55, [35, (55 - (t_aussen + 15) * 0.8) | round(1)] | max] | min %}
{{ t_vorlauf }}
Wärmepumpe (Vorlauf typisch 28–45 °C – je niedriger, desto effizienter):
template:
- sensor:
name: "Heizkurve Solltemperatur WP"
unit_of_measurement: "°C"
state: >
{% set t_aussen = states('sensor.aussentemperatur') | float(10) %}
{% set t_vorlauf = [45, [28, (40 - (t_aussen + 15) * 0.5) | round(1)] | max] | min %}
{{ t_vorlauf }}
Automatisierung erstellen: Wenn sich der Template-Sensor ändert, sende den neuen Sollwert an die Klima-Entität:
action:
- service: climate.set_temperature
target:
entity_id: climate.heizung
data:
temperature: "{{ states('sensor.heizkurve_solltemperatur') | float }}"
Anwesenheit kombinieren: Ergänze eine Bedingung: Wenn person.ich den Status not_home hat, setze die Temperatur auf einen Absenk-Sollwert (z. B. 16 °C) statt auf die Heizkurven-Temperatur.
Wusstest du schon?
Die Formel im Template-Sensor ist ein linearer Ansatz, der für viele Häuser gut passt. Wenn dein Haus sehr gut gedämmt ist oder eine Fußbodenheizung hat, musst du die Koeffizienten anpassen – starte mit diesen Werten und beobachte eine Woche lang.
Langsam anpassen: Verändere die Heizkurve nie abrupt, sondern in kleinen Schritten (2–3 °C). Heizkörper und Fußbodenheizungen reagieren träge – Überreaktionen führen zu Überhitzung und danach zu Ausfall.
Nachtabsenkung einbauen: Zwischen 22:00 und 06:00 Uhr Vorlauf um 3–5 °C absenken. Das ist die einfachste Einzel-Optimierung mit messbarem Effekt.
Logbuch führen: Home Assistant Recorder protokolliert Vorlauftemperatur und Außentemperatur automatisch. Nach zwei Wochen siehst du in der Energie-Ansicht, ob die Kurve passt.
Failsafe-Verhalten prüfen: Stelle sicher, dass beim Ausfall der Automatisierung keine kritischen Zustände entstehen – konfiguriere das Shelly-Gerät entsprechend und teste den Ausfallfall bewusst.
Pro-Tipp
Du kannst die Heizkurven-Automatisierung zunächst im Beobachtungsmodus laufen lassen: Template-Sensor aktiv, aber noch keine Aktion, nur ein Logbuch. So siehst du, was das System getan hätte – ohne in die laufende Anlage einzugreifen. Erst wenn die Werte plausibel aussehen, aktivierst du die Aktion.
Diese Lösung verbindet lokale Intelligenz mit echter Heizungsoptimierung. Sie ist aufwändiger als das Aufstecken eines smarten Thermostats – aber für alle, die ohnehin mit Home Assistant arbeiten, eine natürliche Erweiterung des Systems. Weiterführende Schritte findest du in den Artikeln Erste Automatisierung in HA und Smarte Heizung im Überblick.
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