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Stufe 2 · Kapitel 4 von 6

Tibber & dynamische Tarife nutzen

Dynamische Stromtarife bieten stündlich wechselnde Preise — manchmal sogar negative. Mit Smart-Home-Automatisierung nutzt du die günstigen Stunden gezielt und vermeidest die teuren. Hier lernst du, wie das in der Praxis funktioniert.

4 Min. LesezeitAktualisiert 3. Juni 2026

In 30 Sekunden

  • Dynamische Tarife schwanken stündlich um 10–40 ct/kWh.
  • Tibber, aWATTar und Octopus Energy bieten APIs für den aktuellen Preis.
  • Automatisierung: Günstige Stunden → Heizung/Laden, teure Stunden → sparen.
  • Jährliche Ersparnis von 100–300 Euro sind realistisch.
  • Die API-Integration in Home Assistant ist in 15 Minuten erledigt.

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Wie dynamische Tarife funktionieren

Dynamische Tarife (auch Stundenpreis- oder Spotmarkt-Tarife genannt) orientieren sich am Großhandelspreis für Strom an der EEX oder NordPool. Der Preis ändert sich jede Stunde und reflektiert Angebot und Nachfrage: Tagsüber und abends ist Strom teuer, nachts und bei viel Wind/Sonne ist er günstig. In Extremfällen kann der Preis sogar negativ werden — du bekommst also Geld dafür, Strom zu verbrauchen.

Im Vergleich zu Fixtarifen (z. B. 32 ct/kWh rund um die Uhr) bieten dynamische Tarife zwei Vorteile:

  • Niedrigerer Durchschnittspreis: Wer Verbrauch in günstige Stunden verschiebt, zahlt im Schnitt deutlich weniger.
  • Transparenz: Du siehst den Preis für jede Stunde im Voraus und kannst planen.

Tibber API-Integration

Tibber ist der bekannteste dynamische Tarifanbieter im deutschen Raum. Die Tibber-API liefert die stündlichen Preise für heute und morgen (sobald die EEX-Daten verfügbar sind). So bindest du sie ein:

  1. Öffne die Tibber-App → Einstellungen → API-Token und generiere einen Personal Access Token.
  2. In Home Assistant: Einstellungen → Integrationen → Tibber hinzufügen. Gib den Token ein.
  3. Tibber erstellt automatisch den Sensor sensor.electricity_price mit dem aktuellen Stundenpreis und die Sensoren für heute und morgen als Attribute.
  4. Füge den Preis-Sensor im Energy Dashboard bei den Stromkosten ein.

Die Tibber-Integration liefert auch den Gesamtverbrauch als Sensor, wenn du den Tibber Pulse (Zählerleser) installiert hast. Der Pulse liest die IR-Schnittstelle deines Zählers und liefert sekündliche Verbrauchsdaten.

aWATTar Stundenpreise

aWATTar bietet ebenfalls stündliche Preise basierend auf dem Großhandelsmarkt. Die Integration in Home Assistant erfolgt über eine REST-Sensor, da es noch keine native Home Assistant-Integration gibt:

# aWATTar Preis-Sensor via REST
sensor:
  - platform: rest
    name: "aWATTar Strompreis"
    resource: "https://api.awattar.de/v1/marketdata"
    scan_interval: 900
    value_template: >
      {% set data = value_json.data %}
      {% set now_ts = as_timestamp(now()) * 1000 %}
      {% set current = data | selectattr('start_timestamp', '<=', now_ts)
        | selectattr('end_timestamp', '>', now_ts) | first %}
      {{ (current.marketprice / 10) | round(2) }}
    unit_of_measurement: "ct/kWh"
    device_class: monetary

aWATTar bietet Tarife für Deutschland und Österreich. Die Preise sind EDT-konform und beinhalten bereits Netzentgelte und Steuern. Die API liefert die Preise für die nächsten 24 Stunden, sobald sie verfügbar sind.

Octopus Energy und NordPool

Octopus Energy bietet dynamische Tarife in Großbritannien und zunehmend auch in Deutschland. Die Integration erfolgt über die Octopus-API, die stündliche Preise sowie Verbrauchsdaten liefert. Für die NordPool-Preise (skandinavischer Strommarkt) nutzt du einen ähnlichen REST-Sensor-Ansatz:

# NordPool Preis-Sensor (Beispiel)
sensor:
  - platform: rest
    name: "NordPool Strompreis"
    resource: "https://www.nordpoolgroup.com/api/marketdata/page/23"
    scan_interval: 1800
    value_template: >
      {% set rows = value_json.data.Rows %}
      {% set current_hour = now().hour %}
      {{ rows[current_hour].Columns[1].Value
        | replace(',', '.') | float }}
    unit_of_measurement: "ct/kWh"

Wichtig: Die NordPool-Preise sind Großhandelspreise ohne Netzentgelte und Steuern. Du musst die regionalen Zuschläge manuell addieren, um den tatsächlichen Verbrauchspreis zu erhalten.

Günstige Stunden identifizieren

Mit den Preis-Sensoren baust du Automatisierungen, die günstige Stunden nutzen und teure vermeiden. Die Grundidee: Verschiebe flexible Verbraucher (Heizung, Laden, Warmwasser) in die billigsten Stunden des Tages.

  • Heizung: Brauchwasser-Zirkulation oder Wärmepumpe in den günstigsten 4–6 Stunden laufen lassen. Eine Vorlauftemperatur-Regelung mit Puffer reicht, um den günstigsten Zeitraum zu nutzen.
  • EV-Laden: Starte das Laden, wenn der Preis unter deinen Schwellwert fällt. Mit Tibber sieht der Sensor z. B. so aus: trigger: numeric_state < 20 ct/kWh.
  • Warmwasser: Heizstab in der billigsten Stunde auf 60 °C pushen — das reicht meist für einen Tag.

Beispiel-Automatisierung: Günstige Stunden nutzen

Diese Automatisierung startet das EV-Laden, wenn der Strompreis unter 20 ct/kWh fällt — und stoppt, wenn er über 30 ct/kWh steigt:

# EV-Laden: Preis-optimiert
automation:
  - alias: "EV-Laden bei günstigem Preis starten"
    trigger:
      - platform: numeric_state
        entity_id: sensor.electricity_price
        below: 20    # unter 20 ct/kWh
    condition:
      - condition: state
        entity_id: binary_sensor.ev_plugged
        state: "on"
    action:
      - service: switch.turn_on
        target:
          entity_id: switch.wallbox

  - alias: "EV-Laden bei teurem Preis stoppen"
    trigger:
      - platform: numeric_state
        entity_id: sensor.electricity_price
        above: 30    # über 30 ct/kWh
    action:
      - service: switch.turn_off
        target:
          entity_id: switch.wallbox

Teure Stunden vermeiden

Ebenso wichtig wie das Nutzen günstiger Stunden ist das Vermeiden teurer. Diese Strategien helfen:

  • Wärmepumpe drosseln: In teuren Stunden die Vorlauftemperatur reduzieren und den Pufferspeicher nutzen, der in günstigen Stunden aufgeladen wurde.
  • Batterie entladen: Wenn du einen Stromspeicher hast, entlade ihn in teuren Stunden statt aus dem Netz zu beziehen.
  • Großverbraucher verschieben: Spülmaschine, Waschmaschine nur in günstigen Stunden starten (Shelly Plug S als Schalter).
  • Benachrichtigung: Lass dir pushen, wenn der Preis besonders hoch ist (z. B. > 50 ct/kWh), so dass du manuell eingreifen kannst.

Wusstest du schon?

An Tagen mit viel Wind und Sonne kann der Großhandelspreis auf unter 0 ct/kWh fallen. Dein dynamischer Tarif gibt dir dann effektiv Geld zurück für Verbrauch — die perfekte Zeit für Heizstab, Waschmaschine und EV-Laden.

Pro-Tipp

Kombiniere dynamische Tarife mit dem Energie-Sparrechner, um deine individuelle Ersparnis zu berechnen. Gib deinen aktuellen Fixtarif, den durchschnittlichen Verbrauch und die verschiebbaren Lasten ein — der Rechner zeigt dir, ob sich der Wechsel zu einem dynamischen Tarif für dich lohnt und wie viel du pro Jahr sparen kannst.

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