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Stufe 2 · Kapitel 6 von 6

Lastmanagement: Geräte priorisiert schalten

Wenn Wärmepumpe, Heizstab und Wallbox gleichzeitig laufen, überschreitest du schnell die 63-A-Hauptsicherung. Lastmanagement sorgt dafür, dass die richtigen Geräte zur richtigen Zeit laufen — ohne dass der Schutz auslöst. Hier lernst du das Prioritätensystem und die praktische Umsetzung.

5 Min. LesezeitAktualisiert 3. Juni 2026

In 30 Sekunden

  • Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung nach Priorität.
  • Hauptsicherung 63 A = ca. 43 kW maximale Leistungsaufnahme.
  • Priorität: Grundlast > Wärmepumpe > Heizstab > Wallbox.
  • Die aktuelle Gesamtleistung wird am Zählerpunkt gemessen (Shelly 3EM).
  • Geräte werden gedrosselt oder abgeschaltet, bevor die Sicherung fliegt.

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Was ist Lastmanagement?

Lastmanagement (auch Laststeuerung oder Energiemanagement genannt) regelt, welche elektrischen Verbraucher in deinem Haushalt gleichzeitig laufen dürfen. Ohne Lastmanagement kann es passieren, dass die Gesamtleistung aller Geräte die Hauptsicherung (Typ 63 A) überschreitet. Die Folge: Der Leitungsschutzschalter fliegt, und der ganze Haushalt ist ohne Strom.

Das Problem verschärft sich, wenn du eine Wärmepumpe (3–8 kW), einen Heizstab (2–9 kW) und eine Wallbox (2–22 kW) gleichzeitig betreibst. Allein diese drei Geräte können zusammen 30+ kW ziehen — hinzu kommt die Grundlast des Haushalts (3–5 kW). Bei 43 kW Maximalleistung (63 A × 230 V × 3 Phasen) ist die Grenze schnell erreicht.

Wusstest du schon?

Ein 63-A-Hauptsicherungs-Ausfall wird von Netzbetreibern registriert. Mehrfaches Auslösen kann zu einer Anforderung führen, die Anschlussleistung zu reduzieren — was bedeutet, dass du Geräte dauerhaft einschränken musst. Lastmanagement verhindert das.

Wann du Lastmanagement brauchst

Nicht jeder Haushalt braucht aktives Lastmanagement. Prüfe anhand dieser Kriterien:

  • Mehr als 2 große Verbraucher: Wenn du Wärmepumpe + Heizstab + Wallbox hast, brauchst du Lastmanagement.
  • Hauptsicherung 35 A oder weniger: Bei geringer Anschlussleistung reicht oft schon WP + Kochen + Wallbox, um die Grenze zu überschreiten.
  • PV-Überschuss-Steuerung: Wenn du PV-Überschuss gezielt nutzt, schaltest du häufig zusätzliche Verbraucher zu — Lastmanagement verhindert Überlastung.
  • Dynamische Tarife: In billigen Stunden schalten alle Geräte gleichzeitig ein — ohne Lastmanagement fliegt die Sicherung.

Faustregel: Wenn die Summe der maximalen Leistungen deiner großen Verbraucher die verfügbare Anschlussleistung (Sicherung × 230 V × 3 Phasen) überschreitet, brauchst du Lastmanagement.

Das Prioritätensystem

Lastmanagement funktioniert mit einem festen Prioritätensystem. Geräte mit höherer Priorität dürfen zuerst laufen, niedrigere Prioritäten werden bei Bedarf gedrosselt oder abgeschaltet:

  1. Priorität 1: Grundlast (Kühlschrank, Licht, IT, Kochen) — immer aktiv, niemals schalten. Ca. 3–5 kW Dauerlast.
  2. Priorität 2: Wärmepumpe — Heizung hat Vorrang vor Warmwasser und Wallbox, da der Heizbetrieb kritisch für den Wohnungskomfort ist. Ca. 3–8 kW.
  3. Priorität 3: Heizstab (Warmwasser/Nachheizen) — wichtig, aber nicht dringend. Kann bei Überlast pausieren und später weiterheizen. Ca. 2–6 kW.
  4. Priorität 4: Wallbox (EV-Laden) — die niedrigste Priorität. Laden kann verschoben werden, und die Wallbox kann auch reduziert werden (z. B. von 11 kW auf 4,6 kW). Ca. 2–22 kW.

Wenn die Gesamtleistung die Grenze überschreitet, wird zuerst die Wallbox gedrosselt, dann der Heizstab abgeschaltet, und erst als letzte Maßnahme die Wärmepumpe reduziert.

Gesamtleistung messen und Grenzwert definieren

Du brauchst einen zuverlässigen Sensor für die Gesamtleistung. Der Shelly 3EM im Zählerschrank liefert sekündlich die aktuelle Leistung — Details zur Einbindung findest du im Shelly-Stromzähler-Artikel. So definierst du die Grenzwerte:

  • Hauptsicherung 63 A: 63 A × 230 V × 3 Phasen ≈ 43,5 kW. Sicherheitsmarge: Setze den Grenzwert auf 38 kW (ca. 87 %).
  • Hauptsicherung 35 A: 35 A × 230 V × 3 ≈ 24 kW. Grenzwert: 21 kW.
  • Hysterese: Nicht bei 38 kW sofort abschalten, sondern bei 35 kW warnen und bei 38 kW aktiv werden. So vermeidest du Fehlalarme bei kurzfristigen Spitzen (Motoren, Anlaufströme).

Home Assistant Automatisierung für Lastmanagement

Hier eine Automatisierung, die die Wallbox drosselt, wenn die Gesamtleistung zu hoch wird, und sie wieder freigibt, wenn genug Leistung verfügbar ist:

# Lastmanagement: Wallbox drosseln
automation:
  - alias: "Wallbox bei Ueberlast drosseln"
    trigger:
      - platform: numeric_state
        entity_id: sensor.shelly_3em_total_power
        above: 35000    # 35 kW Warnschwelle
        for:
          seconds: 10
    action:
      - service: number.set_value
        target:
          entity_id: number.wallbox_max_current
        data:
          value: "6"    # Auf 6 A drosseln (1,4 kW pro Phase)
      - service: notify.mobile_app
        data:
          title: "Lastmanagement aktiv"
          message: >
            Gesamtleistung {{ states('sensor.shelly_3em_total_power') }} W.
            Wallbox auf 6 A gedrosselt.

  - alias: "Wallbox bei ausreichender Leistung freigeben"
    trigger:
      - platform: numeric_state
        entity_id: sensor.shelly_3em_total_power
        below: 28000    # 28 kW — genug Puffer
        for:
          minutes: 2
    action:
      - service: number.set_value
        target:
          entity_id: number.wallbox_max_current
        data:
          value: "16"   # Freigabe auf 16 A (3,7 kW pro Phase)

Das gleiche Prinzip lässt sich auf den Heizstab anwenden: Wenn die Gesamtleistung selbst nach Drosseln der Wallbox noch zu hoch ist, schalte den Heizstab ab. Die Wärmepumpe läuft weiter, solange möglich.

Node-RED Flow Beispiel

Für komplexere Lastmanagement-Logik mit mehreren Stufen und Prioritäten eignet sich Node-RED besser als YAML-Automatisierungen. Der grundlegende Flow:

  1. Input-Node: Abonniere den Shelly 3EM Gesamtleistungs-Sensor via MQTT (z. B. shellies/shelly3em/emeter/0/total_power).
  2. Switch-Node: Verzweige nach Leistungsbereich — < 28 kW (grün), 28–35 kW (gelb), > 35 kW (rot).
  3. Prioritätslogik: In jedem Zweig definiere, welche Geräte wie reagieren sollen. Z. B. im roten Bereich: Wallbox auf 6 A, Heizstab aus, WP bleibt.
  4. Output-Nodes: Sende MQTT-Befehle an die Shelly-Geräte oder Home Assistant-Service-Aufrufe.
  5. Delay-Node: 10–30 Sekunden Verzögerung, um kurzfristige Spitzen zu ignorieren.

Node-RED bietet den Vorteil, dass du die Logik visuell aufbaust und debuggen kannst. Du siehst in Echtzeit, welche Zweige aktiviert werden und welche MQTT-Befehle gesendet werden.

Den 63-A-Hauptschutz niemals auslösen

Ein fliegender Hauptschutz ist nicht nur lästig — er kann Folgekosten haben und gefährdet den Versorgungsanschluss. Diese Maßnahmen schützen zuverlässig:

  • Sicherheitsmarge von 15 %: Setze den Grenzwert auf 85 % der Sicherungskapazität (bei 63 A → 54 A entspr. 37 kW). Das berücksichtigt Anlaufströme und Messverzögerungen.
  • Reaktionszeit unter 30 Sekunden: Die Automatisierung muss innerhalb von 30 Sekunden nach Überschreitung des Grenzwerts handeln. Teste das regelmäßig.
  • Wallbox-Hardware-Limitierung: Viele Wallboxen haben ein einstellbares Stromlimit. Setze den Hardware-Wert auf die maximal erlaubte Leistung — so greift auch bei Automatisierungsfehlern eine Hard-Grenze.
  • Redundanz: Nutze zwei Sensoren (Shelly 3EM + am Wechselrichter) und vergleiche die Werte. Wenn einer ausfällt, übernimmt der andere.
  • Phasenbalance: Verteile große Lasten gleichmäßig auf L1, L2 und L3. Einphasige 22-kW-Wallboxen belasten nur eine Phase — nutze dreiphasiges Laden mit reduziertem Strom.

Pro-Tipp

Der PV-Optimierer berücksichtigt bei der Berechnung auch Lastmanagement-Szenarien. Gib deine Hauptsicherung, die maximalen Leistungen deiner Großverbraucher und die PV-Anlagengröße ein — der Rechner zeigt dir, ob dein Anschluss für die geplante Konfiguration ausreicht und wo Engpässe entstehen können.

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Shelly 3EM

Dreiphasige Messung am Zählerschrank für Gesamtverbrauch und Lastprofile.

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