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Stufe 1 · Kapitel 3 von 5

Strommessung im Smart Home

Bevor du automatisierst, musst du messen. Ohne Strommessung weißt du nicht, wo die Energie bleibt — und wo der größte Hebel ist.

5 Min. LesezeitAktualisiert 3. Juni 2026

In 30 Sekunden

  • Messen zuerst: Ohne Daten keine Optimierung. Starte mit den größten Verbrauchern.
  • Smart Plugs mit Messung (Shelly Plug S) sind der einfachste Einstieg — 25 € pro Steckdose.
  • Dedizierte Energiezähler (Shelly 3EM) messen den Gesamtverbrauch am Zählerpunkt.
  • Wechselrichter-Daten und FRITZ! Smart Energy ergänzen das Bild auf PV- und Netzebene.
  • Integration in Home Assistant oder ioBroker macht die Daten zentral sichtbar und automatisierbar.

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Warum Strommessung der erste Schritt sein muss

Die meisten Haushalte kennen ihren Jahresverbrauch — 3.000 kWh, 4.500 kWh — aber nicht, wo genau die Kilowattstunden bleiben. Ist es der Kühlschrank? Der alte Trockner? Die Heizungspumpe? Oder doch der Standby-Müll? Ohne diese Kenntnis investierst du vielleicht 400 € in smarte Thermostate, während der eigentliche Stromfresser ein durchlaufender Boiler im Keller ist. Strommessung ist die Grundlage jeder Energieoptimierung.

Der Ansatz ist einfach: Messen → Analysieren → Automatisieren. Ohne den ersten Schritt sind die anderen beiden Raten.

Wusstest du schon?

Der durchschnittliche deutsche Haushalt verbraucht ca. 3.500 kWh Strom pro Jahr — davon entfallen typischerweise 30 % auf Kühl- und Gefrierschränke, 15 % auf Beleuchtung, 15 % auf Unterhaltungselektronik und 10 % auf Warmwasser. Die restlichen 30 % verteilen sich auf Kochen, Waschen, Trocknen und Kleingeräte. Wer weiß, wo sein Strom hingeht, kann gezielt sparen.

Die 4 Messmethoden im Vergleich

1. Smart Plugs mit Energiemessung

Der einfachste Weg: eine schaltbare Steckdose mit integriertem Energiemesser wie der Shelly Plug S (ca. 25 €). Du steckst das Gerät ein und siehst sofort den aktuellen Stromverbrauch in Watt und den Tagesverbrauch in Wh. Shelly-Geräte liefern Daten per MQTT, REST-API oder WLAN — perfekt für Home Assistant oder ioBroker. Die Genauigkeit liegt bei ca. ±1–2 % für Lasten über 5 W.

  • Vorteil: Billig, schnell installiert, Gerät kann gleichzeitig geschaltet werden.
  • Nachteil: Nur für Zwischenstecker-Geräte. Fest verdrahtete Verbraucher (Herd, Durchlauferhitzer) können nicht gemessen werden.

2. Dedizierte Energiezähler

Wenn du den Gesamtverbrauch einzelner Stromkreise oder des ganzen Hauses messen willst, brauchst du fest installierte Zähler. Der Shelly 3EM (ca. 60 €) wird in den Sicherungskasten eingebaut und misst bis zu drei Phasen mit je 120 A. Er liefert aktuelle Leistung (W), Energiezähler (Wh) und Spannung (V) per MQTT und REST-API. Alternativ: der Shelly Pro 3EM mit zusätzlichem Display und noch höherer Genauigkeit.

  • Vorteil: Gesamtaufnahme pro Stromkreis, hochgenau (±0,5–1 %), misst auch fest verdrahtete Lasten.
  • Nachteil: Installation im Sicherungskasten erforderlich (Elektriker empfohlen).

3. Wechselrichter-Daten

Hast du eine PV-Anlage, liefert der Wechselrichter bereits wichtige Daten: aktuelle PV-Leistung, Tagesertrag, Gesamtertrag. SMA, Fronius, Kostal und SolarEdge bieten lokale APIs, die Home Assistant und ioBroker nativ unterstützen. Der Wechselrichter misst die Erzeugung; in Kombination mit einem Netzbezugszähler ergibt sich der Eigenverbrauch automatisch.

  • Vorteil: Keine zusätzliche Hardware, Daten bereits vorhanden.
  • Nachteil: Zeigt nur die Erzeugungsseite — für die Verbrauchsseite brauchst du zusätzlich einen Netzbezugssensor.

4. Tibber Pulse & Smart-Meter-Gateways

Der Tibber Pulse ist ein kleines Gerät (ca. 30 €), das per Infrarot-Schnittstelle den Smart Meter ausliest und die Daten per WLAN an Tibber sendet. Gleichzeitig liefert Tibber per API stündliche Strompreise und Verbrauchsdaten. Alternative: smart-Me, Volkszähler oder direkte Modbus-Auslesung des eHz-Zählers.

  • Vorteil: Liest den offiziellen Zählerstand — keine Kalibrierung nötig.
  • Nachteil: Cloud-Abhängigkeit (Tibber), keine gerätespezifische Zuordnung.

Genauigkeit im Vergleich

MethodeGenauigkeitKostenEinsatzbereich
Shelly Plug S±1–2 % (ab 5 W)25 €Einzelgerät (Zwischenstecker)
Shelly 3EM±0,5–1 %60 € + EinbauStromkreis / 3 Phasen
Wechselrichter-API±2–3 %0 €PV-Erzeugung
Tibber Pulse±0,5 % (Zähler)30 €Gesamtverbrauch (Netzbezug)

Was du zuerst messen solltest

Nicht alles gleichzeitig messen — das wird teuer und unübersichtlich. Starte mit den größten Verbrauchern, denn hier ist das Optimierungspotenzial am höchsten:

  1. Gesamtverbrauch am Zähler: Shelly 3EM oder Tibber Pulse im Sicherungskasten. Das gibt dir das Gesamtbild.
  2. Kühlschrank / Gefriertruhe: Läuft 24/7 — ein Shelly Plug S zeigt, ob das Gerät altersschwach wird (ältere Geräte verbrauchen 400–700 kWh/Jahr, neue Class D 150–200 kWh/Jahr).
  3. Unterhaltungselektronik (TV, AV, Konsole): Hier ist der Standby-Müll am größten. Shelly Plug S zeigt den Standby-Verbrauch — oft 10–30 W pro Gerät.
  4. Waschmaschine / Trockner / Geschirrspüler: Großverbraucher mit flexiblen Zeitfenstern — ideal für PV-Optimierung.

Pro-Tipp

Miss mindestens 2 Wochen, bevor du automatisierst. So erkennst du Muster: Wie hoch ist der Standby-Verbrauch nachts? Wann läuft der Kühlschrank am meisten? Wie viel zieht der Trockner pro Durchlauf? Mit diesen Daten kannst du gezielt die Automatisierungen bauen, die den größten Effekt haben. Der Energie-Sparrechner hilft dir, die Ersparnis für jede Maßnahme zu berechnen.

Daten ins Smart Home bringen

Die Messdaten nützen nur, wenn sie zentral verfügbar sind. Zwei Wege haben sich bewährt:

  • MQTT-Bus: Shelly-Geräte senden per MQTT an einen Broker (Mosquitto). Home Assistant und ioBroker abonnieren die Topics und erstellen automatisch Sensoren. Vorteil: Echtzeit-Daten, keine Polling-Verzögerung.
  • Native Integrationen: Home Assistant hat native Integrationen für Shelly, SMA, Fronius, Tibber und viele mehr. In den Settings „Integration hinzufügen" → Gerät suchen → Daten sind da. ioBroker bietet entsprechende Adapter.

Einmal eingerichtet, hast du in Home Assistant das Energy Dashboard — eine visuelle Übersicht aller Stromflüsse, Verbraucher und Kosten. Von hier aus ist der Weg zu Automatisierungen nur noch ein Klick.

Alle Produkte aus diesem Guide

Shelly Plug S

Der schnellste Einstieg in Verbrauchsmessung pro Gerät und Standby-Kontrolle.

Shelly 3EM

Dreiphasige Messung am Zählerschrank für Gesamtverbrauch und Lastprofile.

FRITZ! Smart Energy

Smarter Zwischenstecker zur präzisen Verbrauchsmessung und Steuerung im AVM FRITZ!Box-Heimnetz.

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