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Stufe 1 · Kapitel 4 von 5

Erster Druck: Schritt für Schritt

Von der Idee zum fertigen Druck: Modell finden, Slicer einstellen, Druck starten und das Ergebnis bewerten — dein kompletter erster Durchlauf.

6 Min. LesezeitAktualisiert 3. Juni 2026

In 30 Sekunden

Der Weg vom Modell zum fertigen Druck besteht aus drei Schritten: 1. STL-Datei von Printables oder Thingiverse herunterladen, 2. im Slicer (PrusaSlicer, Cura oder OrcaSlicer) Einstellungen wählen und G-Code erzeugen, 3. G-Code an den Drucker senden und drucken. Dein erster Druck sollte die #3DBenchy sein — das Standard-Testboot, mit dem du sofort siehst, ob dein Drucker richtig kalibriert ist.

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Schritt 1: Ein Modell finden

Du brauchst eine 3D-Datei, die dein Drucker verstehen kann. Die gängigsten Formate sind STL (nur Geometrie) und 3MF (Geometrie + Farbe + Einstellungen). So findest du Modelle:

Printables (printables.com)

Die Plattform von Prusa. Saubere Oberfläche, gute Suchfunktion, viele Smart-Home-Modelle. Kostenlos, Anmeldung optional. Qualitätsprüfung durch die Community. Files im 3MF- und STL-Format.

MakerWorld (makerworld.com)

Bambu Labs Plattform. Viele fertige Profile für Bambu-Drucker, die du mit einem Klick direkt an den Drucker senden kannst. Besonders stark bei All-in-One-Profilen.

Thingiverse (thingiverse.com)

Der Oldtimer unter den Plattformen. Riesige Auswahl, aber teils veraltete Modelle und langsame Seite. Praktisch für klassische Smart-Home-Gehäuse (Shelly, Raspberry Pi).

Pro-Tipp

Such auf Printables nach dem Gerätenamen, für das du ein Gehäuse brauchst — z.B. „Shelly 1pm case" oder „Raspberry Pi 4 wall mount". Du wirst überrascht sein, wie viele fertige Modelle es gibt.

Schritt 2: Slicer einrichten und G-Code erzeugen

Der Slicer ist die Software, die dein 3D-Modell in Maschinenbefehle übersetzt. Er schneidet das Modell in Schichten und berechnet die Bahnen, die der Druckkopf abfahren muss. Drei Slicer dominieren den Markt:

  • PrusaSlicer: Kostenlos, Open Source, exzellent für Prusa-Drucker, aber auch mit Creality und Bambu nutzbar. Unsere Empfehlung für Anfänger.
  • OrcaSlicer: Open-Source-Fork von Bambu Studio mit erweiterten Features. Sehr gut für Bambu- und Nicht-Bambu-Drucker gleichermaßen.
  • Cura (UltiMaker Cura): Der Klassiker, kostenlos, größtes Plugin-Ökosystem. Etwas träger als PrusaSlicer, aber extrem einsteigerfreundlich.

Wichtige Slicer-Einstellungen für deinen ersten Druck

Für den allerersten Druck orientiere dich an diesen Standardeinstellungen. Du kannst sie später optimieren — für den Anfang reichen sie:

EinstellungPLA WertPETG Wert
Schichtdicke0,2 mm0,2 mm
Drucktemperatur210 °C235 °C
Betttemperatur60 °C80 °C
Infill (Füllung)15 % Gyroid15 % Gyroid
Druckgeschwindigkeit50 – 60 mm/s40 – 50 mm/s
Wanddicke3 Linien (0,6 mm)3 Linien (0,6 mm)
Support (Stützstrukturen)Nur wenn nötigNur wenn nötig

Wusstest du schon?

Gyroid-Infill (wirbelförmige Füllung) ist die beste Wahl für die meisten Anwendungen: Sie ist isotrop (gleich stark in alle Richtungen) und braucht weniger Material als Raster-Infill bei gleicher Stabilität.

Schritt 3: Druck starten

Der Slicer hat eine G-Code-Datei erzeugt. Jetzt geht es an den Drucker. Je nach Modell gibt es verschiedene Wege, den Druck zu starten:

  • SD-Karte / USB-Stick: G-Code auf Speicherkarte kopieren, in den Drucker stecken, am Display starten. Der klassische Weg bei Creality und Prusa.
  • WLAN / Cloud: Bambu Lab Drucker erhalten den G-Code direkt über Bambu Studio oder die Handy-App. Kein Kartenwechsel nötig.
  • OctoPrint / Klipper: Auf einem Raspberry Pi laufende Druckserver. G-Code im Browser hochladen und starten. Ideal für fortgeschrittene Nutzer.

Bevor der Druck losgeht, überprüfe drei Dinge:

  1. Filament eingefädelt: Ist das Filament bis in den Extruder durchgeschoben?
  2. Druckbett sauber: Mit Isopropanol (Alkohol) abwischen — Fett und Fingerabdrücke verhindern Haftung.
  3. Leveling aktuell: Slicer startet mit Bett-Leveling? Wenn ja, warten. Wenn nicht, manuell einmal Leveln.

Pro-Tipp

Die ersten 5 Minuten beim Druck sind kritisch. Bleib in der Nähe und kontrolliere, ob die erste Schicht sauber auf dem Bett liegt. Wenn sie sich löst oder knittert, brich den Druck ab und rekalibriere das Leveling.

Schritt 4: Druck vom Bett nehmen

Wenn der Druck fertig ist, gibt es eine wichtige Grundregel: Geduld. Das Bauteil ist noch warm und weich. Warte, bis das Druckbett auf ca. 40 °C abgekühlt ist — dann löst sich das Bauteil fast von selbst.

Praktische Tipps zum Ablösen:

  • PEI-Bett (magnetisch): Flex-Plate abnehmen und leicht biegen — das Bauteil springt ab. Die einfachste Methode.
  • Glasbett: Einen Kantenspachtel vorsichtig unter die Kante schieben und leicht heben. Nicht gewaltsam abreißen.
  • Wasser-Methode: Bei extrem festsitzenden Drucken etwas Wasser unter die Kante träufeln. Das löst die Haftung auf PVA-Klebeschichten.
  • Kühlmittel-Spray: Kältespray (CRC freeze) auf die Unterseite — zieht sich zusammen und löst sich. Nicht auf heiße Flächen sprühen!

Schritt 5: Druckqualität bewerten

Wenn dein erster Druck fertig ist, bewerte ihn systematisch. Die häufigsten Probleme und ihre Ursachen:

Erste Schicht haftet nicht

Ursache: Druckbett nicht leveliert oder Düsenabstand zu groß. Lösung: Auto-Leveling durchführen, Bett reinigen (Isopropanol), Z-Offset anpassen. Die erste Schicht muss leicht in das Bett „hineingedrückt" aussehen.

Stringing (Fäden zwischen Teilen)

Ursache: Filament tropft beim Überfahren leerer Strecken. Lösung: Retraction-Einstellungen erhöhen (Retraction Distance auf 0,8 mm, Retraction Speed auf 40 mm/s). Auch hilft eine geringfügig niedrigere Drucktemperatur.

Schichtverschiebung (Layer Shift)

Ursache: Druckkopf stößt gegen das Bauteil oder Riemen rutscht. Lösung: Riemen straffen, Druckgeschwindigkeit reduzieren, sicherstellen, dass keine Kollision mit Support-Strukturen auftritt.

Überhänge klumpen oder hängen durch

Ursache: Zu steile Überhänge (mehr als 45°) ohne Support. Lösung: Support aktivieren für Überhänge ab 45°, Bauteil drehen so dass Überhänge minimiert werden, oder Design anpassen.

Pro-Tipp

Druck als allererstes eine #3DBenchy (das kleine Testboot). Es testet gleichzeitig Überhänge, Brücken, feine Details, Z-Achsen- Qualität und Wandstärke. In 45 Minuten weißt du, ob dein Drucker gut eingestellt ist — oder was du optimieren musst.

Was du zuerst drucken solltest: Benchy und einfache Gehäuse

Nachdem dein Drucker aufgebaut und kalibriert ist, empfiehlt sich folgende Reihenfolge:

  1. #3DBenchy drucken: Das Standard-Testboot (findbar auf 3DBenchy.com oder Printables). Zeigt dir sofort, ob Leveling, Temperatur und Geschwindigkeit stimmen.
  2. Einfaches Gehäuse drucken: Such auf Printables nach „Shelly 1 case" oder einem einfachen Raspberry-Pi-Gehäuse. Das ist dein erster echter Smart-Home-Druck.
  3. Ergebnis begutachten und optimieren: Sitzt das Gehäuse? Sind Lüftungsschlitze sauber? Klemmt der Deckel? Notiz machen und beim nächsten Druck anpassen.
  4. Skalieren und kombinieren: Im Slicer kannst du Modelle skalieren (z.B. 102 % für lose Passung). Du kannst auch mehrere Teile gleichzeitig auf das Bett legen, um Zeit zu sparen.

Wusstest du schon?

Der Name „Benchy" ist ein Kofferwort aus „Benchmark" und „Tugboat" (Schleppboot). Das Modell wurde 2015 von CreativeTools als universeller Drucktest veröffentlicht und ist seitdem das meistgedruckte 3D-Objekt der Welt.

Fazit: Der Weg vom Modell zum fertigen Druck

Der erste Druck ist immer besonders — aber er ist einfacher, als es klingt. Modell herunterladen, Slicer-Einstellungen wählen, G-Code an den Drucker senden, und los geht es. Die häufigsten Probleme (Haftung, Stringing, Layer Shift) lassen sich mit einfachen Korrekturen beheben. Starte mit PLA, drucke eine Benchy, und danach dein erstes Smart-Home-Gehäuse. Sicherheit beim Drucken wir uns im nächsten Artikel an.

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